Behandlungskonzept Neurologie


Behandlungskonzept Neurologie

Ziel der ambulanten neurologischen Rehabilitation ist, Menschen mit neurologischen Erkrankungen eine rasche und unkomplizierte Rückkehr in das vor der Erkrankung gewohnte Leben zu ermöglichen. Dabei haben wissenschaftliche Studien in der jüngeren Vergangenheit belegt, dass die ambulante Rehabilitation ein leistungsfähiges Bindeglied zwischen stationärer Rehabilitation und der Rückkehr nach Hause und an den Arbeitsplatz ist. Das Verständnis von Abläufen im Nervensystem bei verschiedenen Erkrankungen und ihrer Heilung hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Dadurch kann die große Zahl der Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Schlaganfall, Parkinsonscher Krankheit, Demenzen oder Epilepsie, aber auch Bandscheibenvorfällen und Verletzungen auf nachhaltige Besserung krankheitsbedingter Defizite bauen. Die Tatsache, dass dadurch oft stationäre Pflege vermieden werden kann und die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben möglich ist, unterstreicht den Stellenwert der ambulanten Rehabilitation.

Beispielsweise stellt der Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderung im Erwachsenenalter dar. Die Multiple Sklerose ist bei jungen Erwachsenen oft Ursache für Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, die Parkinsonsche Erkrankung und die Alzheimer Demenz häufige Ursachen für Behinderung und Pflegebedürftigkeit älterer Menschen. Chronische Schmerzsyndrome, vor allem Kopf- und Rückenschmerzen, führen oft zu Einschränkungen von Lebensqualität und Erwerbstätigkeit. Diese geschilderten Gesundheitsdefizite sowie viele weitere (siehe Leistungsspektrum weiter unten) können mit Maßnahmen der ambulanten neurologischen Rehabilitation behandelt werden.

Einen nachhaltigen Rehabilitationserfolg zu gewährleisten schließt auch die Vermeidung von erneuten Krankheitsereignissen ein. Besonders beim Schlaganfall stellt die Rezidivprophylaxe eine wesentliche Komponente der Rehabilitation dar. Zudem haben neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie und zur Beeinflussbarkeit der Struktur und Funktion des geschädigten Nervensystems die Therapiemöglichkeiten erheblich erweitert. Dabei gelingt es unter Ausnutzung von Mechanismen der neuronalen Plastizität geschädigte Funktionen ganz oder teilweise wieder herzustellen. Im Bereich der motorischen Rehabilitation stehen dabei die Physio- und Ergotherapie (Bobath, PNP und alle anderen Verfahren) als aufgabenspezifisches repetitives Training (z.B. Lokomotionstherapie zur Behandlung von Gehbehinderungen), mit zum Teil geräteunterstützten Methoden sowie die Vermeidung des erlernten Nicht-Gebrauchs (sog. „forced use, Taub’sches Training) im Vordergrund. Bei der Behandlung der spastischen Hemiparese kommen neben der krankengymnastischen Übungsbehandlung moderne Methoden wie die Botulinum Toxin-Therapie und Redressionsmaßnahmen zur Anwendung. Ein wesentlicher Gesichtspunkt der ambulanten neurologischen Rehabilitation besteht darin, das in den Therapien Erlernte, unmittelbar in den persönlichen Alltag des Patienten zu übertragen, um so ein selbstbestimmtes unabhängiges Leben zu führen.

Dabei kommen verschiedene Stimulationsverfahren, unter anderem auch die medikamentöse Förderung der Rehabilitation zum Einsatz. Zusätzlich spielt bei inkompletter Defizitrückbildung das Erlernen von Ausgleichstrategien und der Umgang mit Hilfsmitteln im täglichen Leben eine tragende Rolle in der ambulanten neurologischen Rehabilitation. Auch in der Behandlung von erkrankungsbedingten Sprachdefiziten und bei Einschränkungen neuropsychologischer Funktionen wie Gedächtnis, Orientierung und planendes Handeln sowie weiteren Einschränkungen haben wissenschaftliche Untersuchungen Wege der Behandlung aufgezeigt, die im Rehabilitationszentrum Potsdam in Einzel- und Gruppenbehandlung zur Anwendung kommen.

Neben den wissenschaftlichen Konzepten der Funktionswiederherstellung in der neurologischen Rehabilitation finden die psychologischen Konzepte der Krankheitsverarbeitung und das Gesundheitsmodell der Weltgesundheitsorganisation mit der Klassifikation der Funktionen, Behinderung und Gesundheit (ICF) besondere Beachtung. Dabei steht neben der Begleitung des genesenden Patienten bei der Verarbeitung der neuen Lebenssituation mit der Erkrankung die möglichst uneingeschränkte Rückkehr in das gewohnte Lebensumfeld in Familie, Freundeskreis und Beruf mit vollständiger Teilhabe am privaten und sozialen Leben im Mittelpunkt der ambulanten neurologischen Rehabilitation.